Das Recht auf Schutz vor Gewalt

Jedes Kind hat das Recht auf eine Erziehung und ein Leben ohne Gewalt und Misshandlung.

Der Fokus in diesem Kapitel liegt auf den Formen der Gewalt, die nicht bereits in anderen Kinderrechten behandelt wurden (siehe das Recht auf Schutz vor sexueller Ausbeutung, das Recht auf Schutz vor wirtschaftlicher Ausbeutung, das Recht auf Schutz im Krieg und auf der Flucht, das Recht auf Fürsorge). Alle Formen der Gewalt gegen Kinder sind zu bekämpfen.

  • Gesellschaftliche Normen und Traditionen
    • Fehlendes Bewusstsein für schädliche Folgen von Gewalt
    • Kulturelle Praktiken (wie z. B. Genitalverstümmelung)
    • Eltern oder Erziehende haben selbst als Kind Gewalt erlebt (Teufelskreis)
    • Missbrauch wegen falsch verstandener Strenge und Disziplin (z. B. zuhause, in der Schule, am Arbeitsplatz)
  • Armut – Kinder werden aus wirtschaftlichen Gründen:
    • verkauft, prostituiert oder im Krieg eingesetzt
    • sich selbst überlassen und landen auf der Straße
  • Fehlende Strukturen, um Schutz der Kinder zu sichern (z. B. Sozialprogramme, Heime)
  • Kinder wenden Gewalt gegen andere Kinder an, weil sie:
    • nicht wissen, welche Folgen Mobbing, soziale Ausgrenzung und Gewalt gegen andere Kinder haben
    • keine anderen Formen der Konfliktlösung kennengelernt haben
  • Fatale Folgen für die physische und geistige Entwicklung des Kindes
    • Gesundheitliche Probleme
    • Traumata, fehlendes Selbstwertgefühl, Misstrauen gegenüber anderen
    • Ständige Angst vor neuer Gewalt
  • Legitimierung und eventuell selbst Ausübung von Gewalt mit negativen Auswirkungen auf die gesamte gesellschaftliche Entwicklung
  • Kinder, die Opfer von Gewalt sind, haben oft keine Möglichkeit, ihre Meinung zu äußern oder eigene Entscheidungen zu treffen
  • Fehlende Möglichkeiten, die Regeln des gesellschaftlichen Zusammenlebens und friedlichen Umgangs miteinander zu erlernen
  • Mangelnder Zugang zu Bildung als eine der Folgen vieler Formen von Gewalt
    • Geringe Chancen auf ausreichendes Einkommen und damit auf ein selbstbestimmtes Leben
  • Aufklärung und Sensibilisierung der Gesellschaft
  • Kinder stärken, damit sie ihre Rechte kennen und sich gegen alle Formen der Gewalt wehren können
  • Aufklärung und Sensibilisierung von Kindern zur Bekämpfung von Mobbing und Gewalt von Kindern zwischen Kindern
  • Gesetze gegen körperliche Bestrafungen in der Schule
  • Jugendschutzgesetze und Sanktionen bei Verstößen
  • Schutz- und Betreuungsangebote für misshandelte Kinder (z. B. Streetwork-Angebote)
  • Schutz- und Betreuungseinrichtungen für misshandelte Kinder: gesundheitliche und psycho-soziale Betreuung
  • Maßnahmen zur Reintegration in die Gesellschaft
    • Zugang zu Bildung
    • Berufsausbildung
    • Selbstständigkeit ermöglichen

Kinderrechtskonvention

Art. 19 – Schutz vor Gewaltanwendung, Misshandlung, Verwahrlosung

Zur KRK (Quelle: OKaJu)

Agenda 2030

u.a. Ziel 16.1 Alle Formen der Gewalt und die gewaltbedingte Sterblichkeit überall deutlich verringern

Zur Agenda 2030 (Quelle:UN)

Aktuelle Situation

  • Zwischen 2012 und 2020 wurde in Haushalten in Afrika südlich der Sahara zu 84 %, im Nahen Osten und in Nordafrika zu 87 % und in den am wenigsten entwickelten Ländern zu 83 % Gewaltdisziplin angewendet (UNICEF, 2021).
  • Es wird geschätzt, dass 2019 weltweit bis zu 1 Milliarde Kinder im Alter von 2 bis 17 Jahren körperliche, sexuelle oder emotionale Gewalt oder Vernachlässigung erfahren haben. (WHO, 2020).
  • Im Jahr 2020 verfügen 88% der Länder über wichtige Gesetze zum Schutz von Kindern vor Gewalt, aber weniger als die Hälfte der Länder (47%) gaben an, dass diese auch konsequent durchgesetzt werden. (WHO, 2020).
  • Im Jahr 2017 wurden etwa 40 Tausend Kinder Opfer von Tötungsdelikten (WHO, 2020).

Weitere Literatur

Recht auf Schutz vor Gewalt