Kinderrechte: Recht auf Gesundheit
Für Kinder ist das Recht auf Gesundheit von entscheidender Bedeutung, denn sie haben ein erhöhtes Risiko, an Erkrankungen und gesundheitlichen Problemen zu leiden. Gesunde Kinder haben bessere Chancen gesunde Erwachsene zu werden und ein gutes Leben zu führen. Gesundheit ermöglicht oft auch den Weg aus der Armut, denn nur wer gesund ist, kann zur Schule gehen, um später eine Arbeit zu finden und seine Familie zu ernähren. Das Recht auf Gesundheit ist deshalb auch mit anderen Rechten eng verknüpft, wie beispielsweise mit dem Recht auf Bildung.
Theorie: Die Kinderrechtskonvention und das Recht auf Gesundheit
Das Recht auf Gesundheit ist ein universelles Menschenrecht, festgeschrieben in der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und in Artikel 12 des Internationalen Pakts für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte.
In der Kinderrechtskonvention wird das Recht des Kindes auf Gesundheit in Artikel 24 wie folgt erläutert:
Jedes Kind hat folglich zum einen das Recht auf angemessene Gesundheitsvorsorge, zum anderen das Recht, die Hilfe und Versorgung zu erhalten, die es braucht, wenn es krank ist. Dabei müssen die verschiedenen Entwicklungsphasen des Kindes und die damit einhergehenden individuellen Bedürfnisse und Krankheitsrisiken (Kleinkind vs. Jugendlicher) berücksichtigt werden.
Theorie vs. Realität: Wie steht es um die Gesundheit des Kindes in Entwicklungsländern?
Der Zugang zu ärztlicher Versorgung ist für viele Kinder in Entwicklungsländern keine Selbstverständlichkeit. Hinzu kommt eine oftmals ungesunde oder einseitige Ernährung, die die Gesundheit des Kindes nachhaltig beeinträchtigt. Krankheiten, Mangelerscheinungen oder ein frühzeitiger Tod sind für diese Kinder oftmals die Folge.
Kindersterblichkeit unter 5 Jahren
Die Kindersterblichkeit ist ein wesentlicher Indikator für das Wohl des Kindes, da sie u.a. vom Zugang zu medizinischer Grundversorgung abhängt. Eines der acht Milleniumsziele war die Reduzierung der Kindersterblichkeitsrate unter 5 Jahren um 2/3 bis Ende 2015, dieses Ziel wurde jedoch nicht erreicht (mit Ausnahme der Regionen Ostasien, Pazifik, Lateinamerika und Karibik), wie folgende Grafik veranschaulicht:

Zwar sind die Zahlen der Kinder, die vor ihrem 5. Lebensjahr sterben, weltweit zwischen 1990 und 2015 um mehr als die Hälfte gesunken. Dennoch sterben nach wie vor 6 Millionen Kinder jährlich an vermeidbaren Krankheiten, davon über 1 Million am Tag ihrer Geburt. Dabei fallen 50% der Sterbefälle unter 5 Jahren auf nur fünf Länder: China, die Demokratische Republik Kongo, Indien, Nigeria und Pakistan. In Subsahara-Afrika tragen Kinder ein 15mal höheres Risiko, vor dem Erreichen des 5.Lebensjahrs zu sterben als Kinder in entwickelten Regionen.
Weitere begünstigende Umweltfaktoren sind die Herkunft (Kinder aus armen Verhältnissen sind doppelt so häufig betroffen) und die oftmals fehlende Bildung der Mutter. Kinder in ländlichen Gegenden sterben 1,5mal häufiger vor ihrem 5. Geburtstag als Kinder in städtischen Gebieten.
Als Hauptursachen für den Tod bei Neugeborenen in Entwicklungsländern lassen sich nennen: Komplikationen während der Geburt wie beispielsweise Atemwegsprobleme, Frühgeburten oder Infektionen. Bei Kleinkindern führen meistens Krankheiten wie Lungenentzündung, Durchfall und Malaria zum Tod. Besonders schockierend ist die Tatsache, dass über 2/3 der Kinder an Krankheiten sterben, die durch einfache medizinische Mittel und Eingriffe behandelt werden könnten.
Eine vorhandene Unterernährung der Mutter hat ebenfalls unmittelbare Auswirkungen auf den Gesundheitszustand des Kindes und wird für ca. 45% der Sterbefälle bei Kindern verantwortlich gemacht. Für Schwangere ist deshalb eine ausreichende und nährstoffreiche Ernährung von großer Bedeutung für die gesunde Entwicklung des Kindes im Mutterleib und nach der Geburt.
Weitere Gesundheitsrisiken für Kinder und Jugendliche
Das Wohl von Kindern und Jugendlichen in Entwicklungsländern ist häufig auch durch religiöse Praktiken und traditionelle Riten gefährdet, dazu gehören beispielsweise die weibliche Genitalverstümmelung, Kindstötung oder Jungfräulichkeitstests. Auch körperliche Gewalt zum Zwecke der Bestrafung oder Züchtigung beeinträchtigt die Gesundheit des Kindes dramatisch, sei es in der Familie, in der Schule, der Gemeinde oder auch in öffentlichen Einrichtungen. Sexuelle Gewalt kann ebenfalls schwere physische und psychische Folgen für das Kind haben.
Nach Schätzungen des OHCHR (Office of the High Commissioner for Human Rights) konsumieren ungefähr 150 Millionen Kinder weltweit, davon die Mehrheit in Entwicklungsländern, „weiche“ Drogen wie Tabak und Alkohol, die Herzkrankheiten und andere chronische Leiden im Erwachsenenalter hervorrufen können. Straßenkinder und Kinder ohne elterliche Fürsorge sind besonders gefährdet, harte Drogen wie beispielsweise Heroin oder Kokain zu konsumieren. Besonders problematisch ist dabei die Tatsache, dass Kinder häufiger als Erwachsene Spritzen und andere Drogenutensilien gemeinsam benutzen, wodurch sich die Infektions- bzw. Ansteckungsgefahr für sie drastisch erhöht.
Notwendige Maßnahmen
Verschiedene Voraussetzungen müssen geschaffen werden, um das Recht des Kindes auf Gesundheit in die Praxis umzusetzen:
Dieser Text wurde von SOS Villages d’Enfants Monde verfasst.